Veröffentlichung - Bericht zu Kindeswohlgefährdungen

Pressemitteilung 16. Januar 2026

St.-Petri-Kirchengemeinde Buxtehude veröffentlicht Bericht zu Kindeswohlgefährdungen

Dr. Wolf-Peter Groß

Die St.-Petri-Kirchengemeinde Buxtehude hat einen Bericht über Kindeswohlgefährdungen und -verletzungen in den 1980er bis 2010er Jahren vorgelegt. Der von dem Juristen Dr. Wolf-Peter Groß (s. Foto) erstellte Bericht dokumentiert Vorfälle im Zusammenhang mit kirchlichen Kinder- und Jugendfreizeiten und den Umgang mit ihnen.

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen zwei ehrenamtlich tätige Personen und betreffen in erster Linie psychische und physische Gewalt. Elf betroffene Personen schildern in dem Bericht autoritäre Erziehungsmethoden, Essenszwang, den Umgang mit Heimweh, verbale Herabsetzungen und körperliche Übergriffe. In einem Fall gibt es laut des Berichts Vorwürfe, die sexuelle Übergriffe durch eine Betreuungsperson in der zweiten Hälfte der 1980er enthalten.

Der Bericht basiert auf 30 Interviews mit betroffenen Personen, ehemaligen und aktuellen Verantwortlichen sowie Dokumenten aus den Jahren 2009 bis 2025. Er analysiert sowohl die Vorkommnisse als auch die institutionellen Reaktionen der Kirchengemeinde und benennt strukturelle Faktoren, die Kindeswohlgefährdungen begünstigten.

Die Kirchengemeinde hatte bereits im März 2024 die Schilderungen der Betroffenen als glaubwürdig anerkannt und um Entschuldigung gebeten. Der nun vorgelegte Bericht ist als Grundlage für einen weitergehenden Aufarbeitungsprozess konzipiert und enthält Handlungsempfehlungen zur Prävention und zum Umgang mit Betroffenen.

Superintendent Dr. Martin Krarup sagt: „Es ist wichtig, dass die im Raum stehenden Vorwürfe jetzt extern erfasst und eingeordnet worden sind. Der Bericht benennt die Strukturen, die die geschilderten Vorfälle ermöglicht haben, und verdeutlicht, wo wir, die wir zu unterschiedlichen Zeiten Verantwortung in Kirchenkreis und Kirchengemeinde getragen haben, den berechtigten Erwartungen der Betroffenen nicht gerecht geworden sind. Anders als im Bereich der sexualisierten Gewalt gibt es bei Kindeswohlgefährdung noch keine erprobten Verfahren, an denen wir uns orientieren können und die Hilfestellungen geben, wie wir betroffene Personen am besten unterstützen. Im Bericht wurden dafür hilfsweise Regelungen aus dem Bereich der sexualisierten Gewalt herangezogen. Es ist aber deutlich, dass wir als Kirche eigene Verfahren entwickeln müssen, um den betroffenen Personen wirklich gerecht zu werden. Insofern können die Aufklärungs- und Aufarbeitungsschritte, die wir gegangen sind und die noch folgen müssen, auch an anderen Orten für den Umgang mit Vorwürfen aus dem Bereich der Kindeswohlgefährdung dienlich sein.“

Kirchenvorsteher Dr. Wolf-Dieter Syring ergänzt: „Dass die Kindeswohlgefährdungen über viele Jahre hinweg möglich waren und die Hinweise darauf bei den Verantwortlichen kaum Beachtung gefunden haben, hat uns als Kirchenvorstand sehr getroffen. Es ist für uns eine große Hilfe, dass das Angebot zum Gespräch mit Herrn Dr. Groß von vielen Beteiligten wahrgenommen wurde und daraus konkrete Hinweise für die Arbeit der Kirchengemeinde erwachsen sind. In der Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis und der Landeskirche werden wir Angebote für weitere Gespräche mit den Betroffenen vorbereiten und auch die Strukturen verändern, die sich als hinderlich erwiesen haben.“

Dr. Wolf-Peter Groß sagt: „Der Umgang mit Kindeswohlgefährdung ist ein fortlaufender Prozess, der Mut, Selbstkritik und die Offenheit für einen Wandel in Haltung und Strukturen verlangt. Die Gemeinde St. Petri hat in den letzten Jahren bedeutsame Schritte der Professionalisierung unternommen. Dazu gehören die Einführung und laufende Weiterentwicklung umfassender Schutzkonzepte, regelmäßige Schulungen für berufliche und ehrenamtlich tätige Personen sowie die Bereitschaft, externe Perspektiven und Expertise einzubeziehen. Zugleich zeigt der Bericht, wie wichtig eine offene Fehlerkultur, die Einbindung der Betroffenen, eine öffentliche Verantwortungsübernahme und die Stärkung der Erinnerungskultur sind. Der Weg der Aufarbeitung ist nicht abgeschlossen. Er verlangt kontinuierliches Lernen, beherzte Selbstreflexion und die Bereitschaft, institutionelle Unsicherheiten sowie schmerzliche Erinnerungen gemeinsam auszuhalten und daraus Zukunft zu gestalten.“

Kontaktmöglichkeiten für weitere betroffene Personen

Sexualisierte Gewalt: http://praevention.landeskirche-hannovers.de/Fuer-Betroffene

Kindeswohlgefährung: weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer/hilfe-vor-ort

Download des Berichts

Der Bericht steht zum Download bereit: Bericht zu Kindeswohlgefährdungen

Kontakt für Medienanfragen

Anfragen zu dem Bericht richten Sie bitte an Superintendent Dr. Martin Krarup, martin.krarup@evlka.de. Er vermittelt auch den Kontakt zum Verfasser des Berichts und weiteren beteiligten Personen.