07.06.20 Hausgottesdienst 13

Pastor Thomas Haase

Trinitatis – ein Gottesdienst
zu Hause und mit allen
durch den Geist verbunden

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht.
(eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort.
(eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns.
(ein Kreuz kann hingestellt werden)
 

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.
 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
 

Lesung:  Johannes 3, 1-13

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.

Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag das zugehen?

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.

   EG 140 Brunn alles Heils

1) Brunn alles Heils dich ehren wir
und öffnen unsern Mund vor dir;
aus deiner Gottheit Heiligtum
dein hoher Segen auf uns komm.

2) Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib,
er segne uns nach Seel und Leib,
und uns behüte seine Macht
vor allem Übel Tag und Nacht.

3) Der Herr, der Heiland, unser Licht,
uns leuchten lass sein Angesicht,
dass wir ihn schaun und glauben frei,
dass er uns ewig gnädig sei.

4) Der Herr, der Tröster, ob uns schweb,
sein Antlitz über uns erheb,
dass uns sein Bild wird eingedrückt,
und geb uns Frieden unverrückt.

5) Gott Vater, Sohn und Heilger Geist,
o Segensbrunn, der ewig fleußt:
durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl,
mach uns deins Lobs und Segens voll!

Impuls

Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unseren Mund vor dir! Gott ist das große DU, das hier besungen wird, daran lässt dieser Text aus der Mitte des 18. Jahrhunderts keinen Zweifel. Brunn alles Heils – ein starkes Bild für die lebensspendende Fülle, der wir alles Glück, alle Erfüllung verdanken und der deshalb Lob und Preis gebührt. Brunn alles Heils – ein Kosename für Gott?

Gerhard Tersteegen heißt der Dichter, dem dieser Name aus der Feder geflossen ist und betrachten wir sein Leben, dann müssen wir sagen: Ja, es ist ein Kosename. Denn Gerhard Tersteegen hatte sein Leben der Liebe zu Gott verschrieben. Er wurde 1697 in Moers geboren und entdeckte nach mancherlei Umwegen, dass er nicht wie die meisten anderen leben und arbeiten konnte. Die Lehre als Kaufmann brachte ihm keine Erfüllung, der Arbeit als Leineweber war er körperlich nicht gewachsen. Er lebte zurückgezogen, studierte fromme und mystische Schriften, widmete seine freie Zeit dem Gebet und der Meditation. Als er 25 Jahre alt war, erfasst ihn eine tiefe Gewissheit. Gott ist ein liebender Gott, der nicht aufhört, die Menschen mit seiner Gnade, mit seiner Kraft zu erfüllen und zu beschenken

Brunn alles Heils – dieses Lied beschreibt den Gott, der Gerhard Tersteegen inneren Frieden schenkte, der ihn durch sein Leben trug:
Gott in seiner Gesamtheit; wie ein unermesslicher Brunnen, aus dem Segen fließt. Gott in seiner Dreiheit: Als Schöpfer der Welt, der uns behütet vor Übel Tag und Nacht. Als Heiland und Licht, das über uns leuchtet, auf dass wir freien Herzens glauben können. Und Gott als tröstender Geist, der uns Frieden schenkt.

Wie viele unterschiedliche Namen und Bilder für Gott sind in diesem kurzen Lied versteckt? In der fünften und letzten Strophe fügt Tersteegen sie noch einmal zusammen, nennt Vater, Sohn und Heiliger Geist und endet wieder beim Bild des Brunnens, das für ihn am besten die Gesamtheit Gottes zu fassen scheint: Segensbrunn, der ewig fließt, durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll.

Vater Unser im Himmel heißt es im bekanntesten Gebet der Christen, im Vater Unser. Ein Hinweis darauf, dass wir Menschen Gott nicht ermessen können, dass dieser Gott all unsere Vorstellungen von Raum und Zeit übersteigt; dass er immer größer und anders ist, als das, was wir mit unseren Augen erkennen können.

Gerhard Tersteegen legte sich nicht fest auf ein Bild, auf einen Namen. Er nennt Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist und Segensbrunnen in ein und demselben Lied.

Die Liebe braucht mehr als nur einen Namen. Das gilt für Menschen und auch für Gott. Jeder Name spiegelt einen Aspekt, eine Facette des geliebten Gegenübers, niemals aber alles.

Lieder wie dieses von Gerhard Tersteegen machen es uns vor. Sie ermutigen, Gott anzusprechen, ihn beim Namen zu nennen und dabei mit Bildern nicht zu geizen, sondern aus der Fülle zu schöpfen.

 EG 347,1-4 Ach bleib mit deiner Gnade

1) Ach bleib mit deiner Gnade
bei uns, Herr Jesu Christ,
daß uns hinfort nicht schade
des bösen Feindes List.

2) Ach bleib mit deinem Worte
bei uns, Erlöser wert,
daß uns sei hier und dorte
dein Güt und Heil beschert.

3) Ach bleib mit deinem Glanze
bei uns, du wertes Licht;
dein Wahrheit uns umschanze,
damit wir irren nicht.

4) Ach bleib mit deinem Segen
bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen
in uns reichlich vermehr.

(Stille)

Gebet

Du dreieiner Gott,
lehre uns, wie Gemeinschaft gelingt
und sei mit deinem Segen in dieser Welt,
die zerrissen ist,
zerstritten,
geschändet,
gequält von Hass und Gewalt.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, wie wir einander verstehen
und sei mit deinem Segen bei denen,
die gegen Hass und Gewalt demonstrieren.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, Versöhnung zu suchen
und sei mit deinem Segen bei denen,
die sich der Gewalt verweigern und
Brücken bauen.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, barmherzig zu sein
und sei mit deinem Segen bei den Kranken
und Sterbenden
und bei denen, die sie pflegen und beschützen.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, füreinander da zu sein
und sei mit deinem Segen bei denen,
die mit ihrem Wissen und Können dem Leben dienen.

Du dreieiner Gott,
lehre uns zu glauben
und sei mit deinem Segen
in deiner weltweiten Kirche,
in unserer Gemeinde,
bei unseren Freunden und Familien.

Du dreieiner Gott,
du bist die Quelle, du bist das Leben,
bei dir ist Frieden.
Dir vertrauen wir uns an – heute und alle Tage.
Amen.
 

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
 

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

(Kerze löschen!)

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