24.05.20 Hausgottesdienst 11

Pastor Thomas Haase

Exaudi – ein Gottesdienst
zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

 

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht. (eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort. (eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns. (ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.           

Lesung: Johannes 16, 5-15

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Impuls

Heute feiern wir den Sonntag "Exaudi". Das lateinische Wort "Exaudi" bedeutet: "Höre!"

Hören. Ein wichtiger Sinn des Menschen. Hören ist ein sehr kostbarer Sinn. Gut Hören zu können, das hat nicht nur mit der Gesundheit der Ohren zu tun. Können wir gut hören?

Können wir gut zuhören? Oder drehen wir uns oft nur um uns selbst, dass wir den Anderen oder die Andere überhören? Wirkliches Zuhören ist gar nicht so leicht. Wenn wir ganz Ohr sind können wir auch die feinen Signale aus unserer Umgebung in uns vernehmen. Es geht beim Hören immer um viel mehr. Ich muss auch verstehen, was an mein Ohr dringt. Muss die Worte oder Töne richtig deuten können. Ich muss mich öffnen, muss mich darauf einlassen, dass das, was ich höre, auch bei mir ankommt. In unserer viel zu lauten Welt, in der die verschiedensten Geräusche auf uns einwirken, ist es sehr schwer, genau hinzuhören.

Da kann es nötig werden, ganz bewusst einen Ort der Stille aufzusuchen, um dem Ohr wieder Ruhe zu schenken. In der Bibel nimmt auch Jesus den Sinn des Hörens für seine Botschaft in Anspruch. In vielen Bibeltexten heißt es am Anfang: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!"

Wir werden dazu aufgefordert ganz genau hinzuhören. Denn, wenn wir nicht richtig hinhören, wenn wir etwas überhören oder sogar weghören, dann macht das unser Leben oberflächlich.

Wirkliches Hören, echtes Zuhören, genaues Hinhören, das schenkt dem Leben Tiefe und Inhalt. Das Hören verändert auch unser Verhalten. Auf Gott hören. Und umgekehrt sollten wir nicht vergessen: Gott hört auf uns!
Gott hört uns, obwohl viele Menschen meinen, wenn Gott uns wirklich hören würde, dann würde er uns doch vielmehr helfen und in der Welt ändern! Gott hört uns und er sendet und beauftragt uns, dass wir in der Welt mit Liebe tätig sind.

Der Sonntag Exaudi ruft dazu auf, Gott und unseren Mitmenschen mehr Gehör zu schenken! Eine Woche vor dem Pfingstfest soll uns das bewusst werden. Amen.

Stille

Gebet

Allgegenwärtiger Gott,
du bist uns verborgen,
denn wir verbergen uns vor dir.
Du bist uns fern,
denn wir fliehen dich.
Wer darf dich erkennen?

Komm zu uns und öffne unsere Sinne,
dass wir dich spüren,
wie du wirkst und Leben schaffst
in uns
und unter uns und in allem,
was wir sehen und hören und erfahren.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du fern zu sein scheinst,
bei denen, die vereinsamen und verdämmern
in Krankenhäusern und Pflegeheimen,
die sich vergessen fühlen,
die Zuneigung vermissen
und nicht mehr an deine und unsere Nähe glauben können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du zu fehlen scheinst,
bei denen, derer Lebensperspektiven bedroht sind,
bei denen, die kalt und leer geworden sind
und verschlossen in ihren engen Kreisen,
bei denen,
die nur noch weg wollen und nicht wissen wohin.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du dich zu entziehen scheinst,
bei denen, die Angst haben vor der Zukunft,
bei denen, die nicht glauben können
an deinen Weg mit uns,
bei denen, die Reichtum oder Rasse,
technisches Vermögen
oder den vermeintlich unentwegten Fortschritt
an deine Stelle setzen.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du fern zu sein scheinst,
in unserer Verworrenheit,
die wir das Nächste, deine Nähe nicht sehen,
die wir nicht spüren können,
wie du dich unentwegt nach uns sehnst und uns suchst.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Allgegenwärtiger Gott,
du bist uns verborgen,
denn wir verbergen uns vor dir.
Wo der Himmel verschlossen scheint und die Hoffnung verweht,
sei du uns der Weg ins Offene.
Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

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