17.05.20 Hausgottesdienst 09

Pastor Thomas Haase

Rogate – ein Gottesdienst

zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

   Georg Böhm, Choralbearbeitung über „Vater unser im Himmelreich“

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht.
(eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort.
(eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns.
(ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Evangelium des Tages: Lukas 11, 1-13

Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.

Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.

Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion?

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

   EG 344 1-4 Vater unser im Himmelreich

1. Vater unser im Himmelreich, / der du uns alle heisest gleich / Bruder sein und dich rufen an / und willst das Beten von uns han: / Gib, dass nicht bet allein der Mund, / hilf, dass es geh von Herzensgrund.

2. Geheiligt werd der Name dein, / dein Wort bei uns hilf halten rein, / dass auch wir leben heiliglich, / nach deinem Namen wurdiglich. / Behut uns, Herr, vor falscher Lehr, / das arm verfuhret Volk bekehr.

3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit / und dort hernach in Ewigkeit. / Der Heilig Geist uns wohne bei / mit seinen Gaben mancherlei; / des Satans Zorn und gros Gewalt / zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich / auf Erden wie im Himmelreich. / Gib uns Geduld in Leidenszeit, / gehorsam sein in Lieb und Leid; / wehr und steu’r allem Fleisch und Blut, / das wider deinen Willen tut.

Impuls

Martin Luthers Lied aus dem Jahre 1539 versucht uns das Vaterunser näherzubringen. Zwei Worte fallen mir beim ersten und im letzten Vers ins Auge: „Bruder“ und „Glaube“.

Mit „Bruder“ sind natürlich Schwestern und Brüder gemeint. So macht uns das Gebet zu Verwandten. Selbst wenn wir im Kämmerlein allein beten, so stehen wir in einer Gebetsgemeinschaft. Das berühmte Kämmerlein ist immer beides – im besten Fall Rückzugsort, aber häufig auch der Ort von einsamen Herzen. Deshalb gleich zu Beginn: Gott, der ins Verborgene des menschlichen Herzens schaut, macht, dass wir alle „gleich Bruder sein“. Ich bete für meinen Nächsten und ich darf darauf vertrauen, dass auch jemand für mich betet. Im stillen Gebet bin ich ganz für mich, aber nie allein gelassen.

In diesem Lied wird das Wichtigste beim Beten in den Vordergrund gestellt: Der Glaube. Der Glaube kennt den Zweifel auch im Gebet. Er braucht tägliche Stärkung und Nahrung. Und wenn er im Gebet gestärkt und getröstet wird, dann geschieht es immer „auf dein Wort“ – auf Gottes tröstliches Wort hin.

Im Vaterunser steht die Bitte um das tägliche Brot. Durch die Corona-Pandemie sind wir sensibler und deshalb auch verletzlicher geworden und so mag es uns berühren, wenn in der fünften Strophe des Liedes die Vielfalt des täglichen Brotes aufgezählt wird. „Leibesnot“, die Gesundheit, „Unfried, Streit, Seuchen“ oder Hungersnöte, Unruhen und Kriege mögen fernbleiben.

Und mögen wir verschont bleiben von der Rastlosigkeit, die uns befällt, wenn wir ständig nach Gütern jagen.

  EG 344, 9  Vater unser im Himmelreich

9. Amen, das ist: es werde wahr. / Stärk unsern Glauben immerdar,/
auf dass wir ja nicht zweifeln dran, / was wir hiermit gebeten han /
auf dein Wort, in dem Namen dein. / So sprechen wir das Amen fein

Stille

Gebet

Vater unser.
Du bist unser Vater,
dir verdanken wir unser Leben.
Dir sagen wir,
worauf wir hoffen,
wonach wir uns sehen,
wovor wir uns fürchten.

Geheiligt werde dein Name.
Wir hoffen darauf,
dass deine Liebe die Welt verwandelt.
Verwandle uns,
damit wir deine Liebe zeigen.

Dein Reich komme.
Wir sehnen uns danach,
dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen.
Schaffe deinem Frieden Raum,
damit die Sanftmütigen das Erdreich besitzen.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Wir fürchten uns davor,
dass Leid und Krankheit kein Ende haben.
Heile die Kranken und behüte die Leidenden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Nicht nur uns,
auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen,
die vor den Trümmern ihres Lebens stehen
und die sich vor der Zukunft fürchten.
Du bist die Quelle des Lebens,
verbanne den Hunger.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Öffne unsere harten Herzen für die Vergebung.
Öffne die Fäuste der Gewalttäter für die Sanftmut.
Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Versöhne uns und alle Welt.

Führe uns nicht in Versuchung.
Dein Wort ist das Leben.
Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut.
Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit.
Bewahre uns vor den falschen Wegen!

Erlöse uns von dem Bösen
Öffne unsere Augen,
damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen.
Lass uns dem Bösen widerstehen und
befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Du rufst uns beim Namen.
Du siehst uns -
wo wir auch sind,
am Küchentisch, in der Kirchenbank, in unseren Kammern.
Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage.
In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.
Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

  Johann Sebastian Bach, Choralbearbeitung über „Vater unser im Himmelreich“ BWV 683