10.05.20 Hausgottesdienst 08

Pastor Thomas Haase

Kantate – ein Gottesdienst

zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

   Johann Sebastian Bach, Präludium in C, BWV 574

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht.

(Eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort.
(Eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns.
(Ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

PSALM 98
Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen 

Evangelium des Tages: Lukas 19, 37-40

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

   EG 302, Str. 1+2+8  Du meine Seele, singe

1. Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem,
welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

8. Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt,
ist's billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.

Impuls

Heute feiern wir den Gottesdienst „Kantate“: Kantate – Singt! Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! Heute steht die Musik im Mittelpunkt: „Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen!“. So haben Sie es eben im Psalm 98 gehört.

Doch heute ist das Singen in unseren Kirchen verboten! Ausgerechnet an Kantate!

Mit dem Sonntag Kantate ist es wieder möglich, dass Gottesdienste in unseren Kirchen gefeiert werden. Strenge Auflagen sollen gewährleisten, dass unsere Gottesdienste nicht zur Gefahr für die Menschen werden. Weil das Virus sich beim Singen – wie beim Husten und Niesen – stärker in der Luft verbreitet, ist lautes Singen für die Gemeinde weitgehend verboten. Auf die an Kantate üblichen Chöre müssen wir heute verzichten.

Manchmal passt es nicht, den Jubel und die Freude hinauszuposaunen. Bei uns ist diese Tage verhaltener Jubel und gedämpfte Freude angesagt. Freilich würde ich in unserer Kirche lieber laut mitsingen, jetzt wo wir wieder Gottesdienste feiern dürfen. Gerne würde ich aus voller Kehle Gott loben und ihm danken. Doch so weit ist es leider noch nicht; der Gesang aber wird andere Wege finden.

„Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ jubeln die Menschen als Jesus in Jerusalem einzieht. Die Pharisäer finden das unpassend. Aber Jesus weist sie zurecht: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Gott selbst schafft Raum und Gelegenheit zum Singen und Loben. Auch wenn der Jubel verhalten und leise sein muss, verboten kann er nicht werden.

„Du, meine Seele, singe,“ heißt es im Lied von Paul Gerhardt. Wenn lautes Singen nicht erlaubt ist, dann singen wir eben leise, quasi hinter der vorgehaltenen Hand oder in diesen Tagen besser: hinter der Maske. Unser Herz singt laut, auch wenn wir nur leise summen. Und vielleicht nistet sich ja beim Zuhören ein geistlicher Ohrwurm ein, der die Woche nach Kantate immer wieder in uns singt. Gott hört es – und es wird Gott gefallen.

Stille

  Josef Gabriel Rheinberger, Präludium in C (aus: Monologe)

Gebet

Neue und alte Lieder wollen wir dir singen, o Gott,
denn unser Glaube lebt in diesen Liedern,
die wir dir singen, als deine Gemeinde.

Doch noch müssen wir leben in liedloser Zeit,
verschlossen die Münder, stumm die Instrumente,
hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde.

Aber unser Gebet können wir dir sagen,
gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen,
was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind
oder im Sterben liegen. Und für die Menschen,
die anderen dienen in Therapie und Pflege.

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen
um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen
und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind
um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen,
die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern,
offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen,
so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott!

Amen.

Vater Unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

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