03.05.20 Hausgottesdienst 07

Pastor Thomas Haase

Jubilate

  – ein Gottesdienst  zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

   Johann Ludwig Krebs, Präludium in C

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht.
(eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort.
(eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns.
(ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

   EG 432 - Gott gab uns Atem

Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
daß wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören.
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln.
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.

Evangelium des Tages: Johannes 15, 1-8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

   EG 398 – In dir ist Freude

In dir ist Freude in allem Leide,
o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben,
du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet,
wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G'müte,
an dir wir kleben im Tod und Leben;
nichts kann uns scheiden. Halleluja.

Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden
Teufel, Welt, Sünd oder Tod;
du hast's in Händen, kannst alles wenden,
wie nur heißen mag die Not.
Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren
mit hellem Schalle, freuen uns alle
zu dieser Stunde. Halleluja.
Wir jubilieren und triumphieren,
lieben und loben dein Macht dort droben
mit Herz und Munde. Halleluja.

Impuls

In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ – es gibt wohl wenige Lieder im Evangelischen Gesangbuch, bei denen die Melodie die Botschaft des Textes so unterstützt. So mitreißend fröhlich schwingt sie, so leicht ist dieser Dreiertakt. Und tatsächlich: Die Weise des italienischen Komponisten Giovanni Gastoldi ist ein Tanzlied. Der ursprüngliche Text „A lieta vita“ – „Zum fröhlichen Leben“ rühmt den Liebesgott Amor.

Es war der Thüringer Pfarrer Cyriacus Schneegaß, der 1598 dem Liebeslied einen geistlichen Text gab. Statt um Amor, den leichtfüßigen und unberechenbaren Gott der Liebe, geht es jetzt um Jesus, den beständig liebenden Gott.

In dir ist Freude – in allem Leide. Ganz anders als Amor, der mal hier, mal da seine Pfeile verschießt, mal Lebenslust verbreitet und mal Leid zufügt, wird von Jesus berichtet. Jesus fügt kein Leid zu – im Gegenteil, er kennt selbst das Leiden und bleibt auch da mit seiner Liebe bei den Menschen: An dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

Cyriacus Schneegaß hat als Seelsorger großen Anteil genommen an Freude und Leid der Menschen in seiner Gemeinde. Und er hat – wie viele seiner Zeit – versucht, ihnen mit selbstgedichteten Liedern Trost zu spenden und Glauben zu stärken.

Was aber dieses Lied von den vielen anderen tröstenden Liedern seiner Zeit unterscheidet – und was mir so besonders gefällt, ist die Verbindung von Text und Melodie. Oft sind es ja schwermütige Weisen, deren Texte mir davon erzählen, dass Gott auch in schweren Zeiten zu mir hält. Die Freude, von der dort dann auch unter anderem die Rede ist, scheint mit irdischer Fröhlichkeit nichts gemein zu haben, sondern eher auf das Jenseits zu verweisen. Und wenn ich wirklich Kummer habe, dann können solche Lieder statt zu trösten auch das Gegenteil bewirken – dass mir das ganze Elend der Welt erst recht auf der Seele liegt.

Diese Melodie aber, dieses italienische Tanzlied, das steckt mich mit seiner Fröhlichkeit wirklich an. Und zeigt: Der Glaube, das Vertrauen auf Gottes Liebe ist nichts Theoretisches, sondern berührt - fast wie ein Pfeil von Amor – das Herz.

In Zeiten von Corona, in denen es uns manchmal schwerfällt fröhlich zu sein, braucht es nicht nur mutmachende Worte sondern auch fröhliche Melodien. Vielleicht lassen Sie sich auch anstecken von diesem wunderbaren Lied. Vielleicht spüren Sie dann ein wenig davon, was dieser irische Segen beschreibt:

Wenn du strauchelst,
weil dir die Arbeit zu schwer wird,
möge die Erde tanzen,
um dir das Gleichgewicht wiederzugeben.

Stille

   In dir ist Freude“ (Choralbearbeitung von Johann Sebastian Bach)

Gebet

In dir bleiben, Christus.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen,
was du uns gibst.
Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.

Du gibst die Kraft.
Aus dir strömt sie.
Gib sie denen,
die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.

Du bist der Friede.
Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen,
die Kriegsherren und die Lügner.
Ihr Gift sei wirkungslos,
weil du ihre Opfer heilst.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.

Du bist die Liebe.
Du machst alles neu.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus
und bei den Liebenden,
denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe,
sprich zu uns,
zu deiner Gemeinde
und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

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