19.04.20 Hausgottesdienst 05

Pastor Thomas Haase

zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

   J.S. Bach, Heut triumphieret Gottes Sohn BWV 630

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht. (eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort. (eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns. (ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.         

   EG 108  Mit Freuden zart

1) Mit Freuden zart zu dieser Fahrt
lasst uns zugleich fröhlich singen,
beid, Groß und Klein, von Herzen rein
mit hellem Ton frei erklingen.
Das ewig Heil wird uns zuteil,
denn Jesus Christ erstanden ist,
welchs er lässt reichlich verkünden.

2) Er ist der Erst, der stark und fest
all unsre Feind hat bezwungen
und durch den Tod als wahrer Gott
zum neuen Leben gedrungen,
auch seiner Schar
verheißen klar durch sein rein Wort,
zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3) Singt Lob und Dank mit freiem Klang
unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr
je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten:
So wird es uns aus Lieb und Gunst
nach unserm Tod, frei aller Not
zur ewigen Freud geleiten.

Evangelium des Tages: Johannes 20, 19-29

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!
23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.
26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Geistlicher Gedanke

Thomas will es unbedingt wissen. Was die anderen ihm berichten, das reicht ihm nicht.
Er will seinen Glauben an Jesus nicht auf den Aussagen anderer aufbauen.
Anderen mag das reichen. Ihnen mag es ausreichen, wenn andere es ihnen erzählen, dass Jesus sich ihnen gezeigt hat. Thomas aber ist ein kritischer Geist:
„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.“ Die Haltung des Thomas ist sprichwörtlich geworden – als „ungläubiger Thomas“ ist er in den Sprachschatz eingegangen. Thomas möchte Beweise, handgreifliche Beweise.
Dass Thomas tatsächlich das Angebot Jesu angenommen hat, das steht nicht im Text.
Das Bekenntnis des Thomas schließt sich ganz direkt an die Aufforderung Jesu an.
Es steht da eben nicht: „Und Thomas legte seine Hand in die Wunde“.
Aber was hat ihn dann überzeugt?
Vielleicht war es einfach die Art und Weise, auf die Jesus ihn angesprochen hat.
Vielleicht hat es ihn einfach überwältigt, dass Jesus sein Anliegen nicht einfach abgelehnt hat.
Aber selbst wenn wir annehmen, dass Thomas wirklich seine Hand in die Seitenwunde Jesu gelegt hat: Gelobt wird er dafür nicht. Denn Jesus sagt zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Am Ende hilft kein Berühren, und es hilft auch kein Sehen, um zum Glauben an Jesus zu kommen.
Jesus kritisiert hier einen Glauben, der sich auf Greifbarkeit und auf Sichtbarkeit gründet.
Was er aber nicht kritisiert, ist das Verlangen des Thomas nach Beweisen und Gründen für seinen Glauben. Sonst würde er ihn nicht dazu auffordern, seine Hand in seine Wunde zu legen.
Jesus akzeptiert den Wunsch des Thomas, Jesus versteht die Zweifel des Thomas. Er weist das Ansinnen des Thomas nicht ab.

Mir ist Thomas sehr nahe. Ich will auch nicht meinen Glauben auf die Aussagen anderer gründen.
Und ich hätte am liebsten auch Beweise für den Glauben. Thomas ist der Zweifler, der Skeptiker.
Thomas will nicht einfach einstimmen in das, was die anderen sagen. Thomas ist der Mensch, für den der Glaube nur zählt, wenn er ein eigener Glaube ist. Und Jesus versteht seinen Wunsch – auch wenn er ihn nicht so erfüllen kann, wie Thomas sich das vorstellt.

Wir Menschen glauben auf sehr unterschiedliche Weise. Der Glaube hebt unsere Eigenarten nicht einfach auf. Thomas bleibt Thomas, auch im Glauben. Er bleibt ein Mensch, der Fragen stellt.

Das Johannesevangelium erinnert an das Verhalten von Thomas, diesem Zweifler.
Gerade er gewinnt den tiefsten Zugang zum Geheimnis Jesu:
„Mein Herr und mein Gott.“ Gerade Thomas geht es auf, dass in dem Menschen Jesus kein anderer begegnet als Gott selber.

STILLE

GEBET

Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Gott.
An diesem Morgen bitten wir Dich:
Bleibe du uns nah,
auch wenn wir uns weiterhin voneinander fernhalten müssen.
Bleib uns nah, dass wir dich nicht nur im Glück und Erfolg erkennen, sondern auch in all unseren Erfahrungen von Leere und Scheitern, von Abschied und Tod.

Stille

Für die Traurigen beten wir und bitten dich um Fürsorge, die auch auf Abstand Nähe schenkt und Trost.
Für die Fröhlichen beten wir und danken für alle Osterstimmung in diesen Tagen, für alle Heiterkeit, für den Humor, für fröhliches Lachen.

Stille

Wir beten für alle, die Leben schützen und retten.
Für die Verantwortlichen in Wissenschaft und Politik.
Für den Frieden und das Recht.

Stille

Gott.
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen