16.02.21 Urlicht - Gustav Mahler (Video)

Nicole Pieper, Alt | Sybille Groß, Orgel | Buxtehude, Furtwängler 1859

1805 veröffentlichten Clemens Brentano und Achim von Arnim den ersten Band von „Des Knaben Wunderhorn“, einer Gedichtsammlung altdeutscher Volkslieder. Die beiden Schriftsteller waren Anfang 30 und gehörten damit zur jungen Generation der Romantiker. Erfüllt von einem neuen Nationalstolz stöberten sie sich durch die eigene Historie. Märchen, Sagen, Volkslieder – sie gruben alles aus. "Des Knaben Wunderhorn" widmeten sie Johann Wolfgang Goethe.

Gustav Mahler vertonte etwa 25 Lieder aus des „Knaben Wunderhorn“. Das „Urlicht“ fand Einzug in Mahlers 2. Sinfonie, der „Auferstehungssinfonie“, in der neben dem Orchester auch Chor und 2 Solistinnen mitwirken.

Das „Urlicht“ ist der 4. Satz der Auferstehungssinfonie, bevor im 5. Satz das Ziel der ganzen Sinfonie erreicht wird. Das 'Urlicht' ist das Fragen und Ringen der Seele um Gott und um die eigene göttliche Existenz über dieses Leben hinaus", schrieb Mahler einer Freundin. Denn in ihm bündelt er die Hoffnung des Menschen auf Erlösung und den Glauben an ein Leben nach dem Tod.

Und so wird das Urlicht gemeinsam mit dem darauffolgenden 5. Satz, der durch die Trauerfeier für den durch Mahler hochverehrten Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow inspiriert wurde, zu einem persönlichen und gewaltigen Glaubensbekenntnis.

Dem im 5. Satz vertonten Gedicht von Klopstock „Die Auferstehung“, das bei dieser Trauerfeier im Hamburger Michel am 29.3.1894 auf eine Choralmelodie gesungen wurde, dichtet Mahler folgende Zeilen hinzu:

„O glaube, mein Herz, es geht dir nichts verloren!
Dein ist, was du gesehnt, dein, was du geliebt, was du gestritten!
O glaube: du wardst nicht umsonst geboren!
Hast nicht umsonst gelebt, gelitten!“

Was entstanden ist, das muss vergehen!
Was vergangen, auferstehen!
Hör auf zu beben! Bereite dich zu leben!“
 

Was für ein kraftvolles, starkes Bekenntnis in dieser Musik, die eben viel mehr ist als „nur“ Tonkunst! Welch tiefe Religiosität und Überzeugung findet hier Ausdruck!

Aus dem Urlicht spricht diese Hoffnung und der Glaube an das Leben bei Gott.