14.02.21 Hausgottesdienst 06

Pastor Thomas Haase

14.02.2021 Estomihi

Ein Gottesdienst zu Hause und mit allen durch den Geist verbunden

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht. (eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort. (eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns. (ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Lesung: Jesaja 58, 1-9a (nach Lutherbibel 2017)

Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!  Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

„Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst es nicht wissen?“

Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten.

Impuls

Liebe Gemeinde!

Da hat‘s Jesaja den Juden aber ganz schön gegeben! Wie konnten sie damals auch meinen, dass sie durch bestimmte Fastentage Gottes Wohlgefallen wiedererlangen würden, nachdem sie vorher so viel Mist gebaut hatten?

Als ließe sich Gott davon beeindrucken, wenn jemand gut in Szene gesetzt „seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet“?

Wenn man für einen Tag auf Speise und Trank verzichtet, gleichzeitig aber dieses äußere Ritual der Buße überhaupt nicht der inneren Haltung entspricht?

Weil man gleichzeitig die untergebenen Lohnarbeiter weiterhin plagt und misshandelt oder den Armen hartherzig das lebensnotwendige Almosen vorenthält.

Nein, solche scheinheiligen Krokodilstränen durchschaut Gott sofort! Eine solche „Buß-Schau“ ist eine Beleidigung des Allmächtigen.

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“

Wenn wir länger darüber nachdenken würden, dann würde uns gewiss noch eine ganze Reihe von Menschen einfallen, denen es Jesaja hier gegeben hat – Menschen in der Nähe und in der Ferne, Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart.

Aber wir sollten vorsichtig sein. Wenn wir dieses kräftige Prophetenwort anderen entgegenschleudern, dann kann es sehr leicht wie ein Bumerang zurückkehren.

Wie war doch gleich das Wort Jesu mit dem Splitter und dem Balken?

„Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“ (Matthäus 7,3)

Wie stimmt unser Alltagsleben überein mit dem, was wir in der Kirche hören und bekennen?

Jesaja klagt an: „Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein.“

Die Faust muss nicht immer aus Fleisch und Blut bestehen. Worte können manchmal noch mehr verletzen. Keiner von uns ist davor gefeit.

Gott sagt durch Jesaja: „Das ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst; reiß jedes Joch weg!“

Ein Joch ist ein schweres Gestell, das Ochsen aufgelegt wird, damit sie einem Wagen oder einen Pflug ziehen. Im übertragenen Sinn werden wir immer wieder schuldig, weil wir unseren Mitmenschen Joche auflegen – in der eigenen Familie, im Freundeskreis, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Verein, in der Nachbarschaft.

Keiner, der einmal darüber nachzudenken beginnt, kann sich Jesajas Anklage entziehen. Und wer wollte schon von sich behaupten, er bräche dem Hungrigen immer genug von seinem Brot ab?

Wir können uns oder andere mit Gesetzesworten wie diesem verurteilen. Wenn wir mit der Vergebung ernst machen, dürfen wir nicht mit dem Finger auf andere zeigen und ihr Christsein in Frage stellen. Das Christsein steht und fällt ja nicht nur mit dem, was wir tun, sondern damit, ob wir annehmen, was Christus für uns getan hat.

Wir können sagen, dass wir die wahre Liebe nun eigentlich erst kennengelernt haben. Größere Liebe bekommen wir nirgendwo anders vorgelebt als in den Worten und Taten Jesu.

Und weil wir nun die Liebe so kennen, werden wir fähig, selbst zu lieben.

Wir fangen an, aus Liebe zu Gott zu „fasten“, nämlich innerhalb und außerhalb des Gottesdienstes die Gemeinschaft mit Gott zu leben.

Wir fangen an, aus Liebe zum Mitmenschen auch mal auf unseren eigenen Vorteil zu verzichten, Joche zu zerbrechen und Bedürftigen das zu geben, was sie nötig haben.

Nur der Mensch kann lieben, der selbst Liebe empfangen hat.

Nehmen wir diese Liebe Gottes an und teilen sie immer wieder – uns und Gott zum Wohlsein und Wohlgefallen.

Amen.

Stille

Gebet

Gott,
neige Deine Ohren zu mir, bitte.
Sei mir ein starker Fels und eine Burg.
Sonst geht es nicht.
Nicht im Schnee und nicht in der Kälte.
Nicht in der Quarantäne und nicht in der zu vollen Wohnung.
Neige Deine Ohren und sei mir Fels und lass mich atmen.

Gott,
wir haben schon so viel gefastet.
Hilf Aushalten, bitte.
Hilf beim Vermissen.
„Corona-Passion“ – was ist ein Fasten, an dem Du Gefallen hast, Gott?
Wo ist da Dein Spielraum?
Spielraum ohne Kostüme, ohne Fest
Wir tanzen nur in der Küche.
Hilf Spielen durch die Ferne.

Gott,
wir sind in Klausur. Schon so lange.
Die Nerven sind abgewetzt, wartemüde, hoffnungsscheu.
Wie lange noch?
Hilf Mitleiden, bitte.
Für die ohne Wohnung.
Für die auf den Pflegestationen.
Für alles, was ausfällt.
Für das Lokal an der Ecke.

Gott,
Du bist mein Fels und meine Burg.
Meine Stärke.
Bist das Beste an mir.
Danke, dass ich liebe, koche und bete.
Hilf Grenzen hinzunehmen, bitte.
Erlös uns, dann irgendwann.
Und zeig mir: wer ist wichtig?
Ohne wen komme ich nicht durch diese Zeit?
Wer lacht, wenn ich lache?
Auch nachts und am Telefon?
Geh mit, Gott, bitte.
Komm einfach mit.

Amen

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

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