07.02.21 Hausgottesdienst 05

Pastor Thomas Haase

07.02.2021 Sexagesimae

Ein Gottesdienst zu Hause und mit allen durch den Geist verbunden

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht. (eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort. (eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns. (ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Lesung: Lukas 8, 4-15

4) Als eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis:
5) Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.
6) Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.
7) Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.
8) Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
9) Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute.
10) Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist`s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.
11) Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.
12) Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.
13) Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.
14) Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife.
15) Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Impuls

„Hörst du mir eigentlich zu?“ – „Ja, klar höre ich dir zu! Schließlich sitzen wir doch jetzt hier zusammen am Tisch.“ – Szenen wie diese kennen wir alle. Vielleicht wenn wir als Eheleute oder Familien zusammen sind, miteinander reden, erzählen. Oder wir kennen es von Arbeitsbesprechungen oder aus Gesprächsrunden. Das Reden, das Nutzen von Worten, ist ein ganz wesentlicher Teil unseres menschlichen Lebens. Gott sei Dank haben wir Münder und Ohren! Gott sei Dank haben wir die Gabe, Gedanken bündeln und aussprechen zu können! So gewinnen wir Anteil. So werden wir Gemeinschaft. So eröffnet sich eine großartige „Welt“.

Und doch, mit den Worten verbindet sich auch eine unberechenbare Kraft.

Ein falsches Wort kann Missverständnisse, Ärger und Streit auslösen. „Man kann doch nicht jedes Wort auf eine Goldwaage legen!“, so pflegen wir dann manchmal in unseren kleinen Konflikten an den Küchen- und Arbeitstischen zu sagen. Oft ein schwacher Versuch, die losgesprochenen Worte und das, was sie bewirkten, doch noch einmal zurückzuholen. Manchmal gelingt das. Wenn das passiert, dann kann sich ein erstaunlich fruchtbar-weites Feld eröffnen. Das Feld des Verstehens, des Aha-Erlebnisses, das mir ganz neue Erkenntnisse und Einsichten vermittelt. Wie großartig doch Worte sein können, die wir miteinander teilen!

Heute, an diesem Sonntag, reichlich 60 Tage vor Ostern, ist uns als frohe Botschaft ein Gleichnis Jesu gegeben. Darin vergleicht Jesus Worte mit Samen. Worte sind Samen. Schier unendlich scheinen sie dem Sämann zur Verfügung zu stehen. Verschwenderisch großzügig geht dieser Sämann damit um. Verluste scheinen nicht zu interessieren, werden eher bildhaft als ganz natürlich und normal beschrieben. Jesus weiß darum, dass gesprochene Worte oft nicht auf fruchtbaren Boden fallen, sondern unbeachtet am Wegesrand liegen bleiben oder auf Granit treffen oder untergehen unter erstickenden Kommentaren. Diese Realität ist zeitlos.

Worte sind Samen. Diese Vorstellung begeistert mich! Denn sie spricht Worten eine hoffnungsvolle Energie zu. In Worten steckt etwas! Im Moment des Säens kann ich dies noch nicht wirklich sehen. Aber ich vertraue darauf, dass aus dem Samen etwas Neues erwachsen kann, etwas, wovon Menschen nach einiger Zeit werden leben können.

Worte sind Samen… – ich denke da an Gesprächsrunden, die irgendwie schwierig waren. Viele Worte, viele Gedanken kamen da zwar auf den Tisch, aber das Ergebnis war bescheiden. Doch, jede und jeder, die und der zugehört hatte, der vielleicht sich aktiv redend mit eingemischt hatte, nahm das Gesprochene doch mit – nachdenklich im Herzen. Die Worte gingen mit – innerlich – an ganz andere Alltagsorte. Der Blickwinkel darauf veränderte sich und daraus erwuchs eine neue Einsicht. Worte sind wie Samen. Ja, sie brauchen Zeit und unsere Geduld, damit sie aufgehen können.

Worte sind Samen. Sie tragen eine hoffnungsvolle Energie in sich. Sie brauchen Zeit, um in dem fruchtbaren Boden menschlicher Herzen wurzeln zu können. Sie brauchen Geduld, damit aus dem Samen allmählich Früchte werden können.

Amen.

Stille

Gebet

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land,
damit wir mit deinem Wort
diese Welt besser machen.

Gib den Einflussreichen wache Ohren,
damit sie dein Wort hören
und dem Frieden dienen.

Gib den Mächtigen gute Herzen,
damit sie dein Wort tun
und die Last der Schwachen mittragen.

Gib den Klugen barmherzige Hände,
damit sie deine Liebe weitergeben
und die Kranken heilen.

Ewiger Gott,
mach uns zu einem guten Land.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit wir einander beistehen,
damit die Trauernden getröstet werden,
damit die Sterbenden geborgen sind,
damit die Verzweifelten aufatmen,
damit die Geschlagenen freikommen.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit unsere Kinder eine gute Zukunft haben.

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land
durch Jesus Christus.
Ihn wollen wir hören.
Ihm vertrauen wir –
heute und alle Tage.
Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

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