24.01.21 Hausgottesdienst 03

Pastor Thomas Haase

3. Sonntag nach Epiphanias – ein Gottesdienst zu Hause und mit allen durch den Geist verbunden

Wir feiern an vielen Orten – in Gemeinschaft verbunden durch Gottes guten Geist. Gott ist die Fülle unseres Lebens.Jesus Christus leuchtet uns auf dem Weg. Gottes Geist begleitet und stärkt uns.

Amen.

Einstimmung

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott: Es werde Licht. Und es ward Licht. (eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott. Und Gott war das Wort. (eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns. (ein Kreuz kann hingestellt werden)

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat

Lesung: Ruth 1, 1-18

1Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen. 14Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie nach Bethlehem hineinkamen, erregte sich die ganze Stadt über sie, und die Frauen sprachen: Ist das die Noomi?

Impuls

Liebe Gemeinde,

diese Geschichte von Rut und Ihrer Schwiegermutter Noomi ist ein kleines Stück Welt-Literatur aus uralten Zeiten. Sie ist für uns eine Glaubensgeschichte, die wir sie im christlichen Kontext einer Predigt hören, aber dies ist eben auch wohlkomponierte Literatur, (lesen Sie einmal die ganze Geschichte!), sie beinhaltet gesellschaftlich relevante Themen, wie Hungersnot und Flucht, Neuanfang, Hoffnung und Zerstörung derselben durch Tod; zwei Frauenschicksale in ihrem Verhältnis zu den Männern ihrer Familie.

Die Geschichte ist erzählt aus der Sicht der zwei weiblichen Hauptpersonen, Noomi und Rut, wie sie handeln, wie sie Wege finden für sich in schwerer Zeit, wie sie durch ihre starke Beziehung, in der beide zu geben haben, überleben.

Aus einer ganz schwierigen und bitteren Situation wird im Laufe der Geschichte überraschend eine gute. Noomi, die „Liebliche“ möchte sich in Bethlehem sogar „Mara“, d. h. die „Bittere“ nennen lassen, geht es im Text weiter, nachdem ihre Wiederkunft Erstaunen ausgelöst hat.

Aus Bitternis wird am Ende Wohlgefallen, Erleichterung, eine Perspektive für beide, sowas wie ein glückliches Ende.

Es ist ein ungleiches Paar, Noomi und Rut, das da zusammenkommt, nach den gesellschaftlichen damaligen Maßstäben.

Mit unterschiedlich kulturellem Hintergrund, auch religiös verschieden. Wo gehören sie hin? Wo finden sie ein Auskommen? Die Situation zeigt auch, dass diese Witwen zwischen allen Stühlen sitzen und ganz allein, wirklich auf sich gestellt waren. Nur in einer Familie hätten sie Schutz und ein Auskommen, aber diese gab es nicht mehr, nicht in der Fremde für Noomi, nicht in der Herkunftsfamilie für Rut.

Gut, dass sie einander hatten, gut, dass die Fliehkräfte, die sie hätten auseinandertreiben könnten, nicht die Oberhand gewannen. Wir wissen, Gott hatte seine Hand im Spiel.

Es muss etwas geschehen. Es kann nicht bleiben, wie es ist, die Witwen müssen gehen, denn es gibt kein Auskommen für sie mehr dort, wo sie sind.

Noomi sieht als ihren Ausweg zurückzugehen. Die Hungersnot ist lange vorbei, die sie in dieses Land gebracht hat. Vielleicht findet sich in Juda noch jemand von ihrer früheren Familie.

Die Schwiegertöchter brechen mit ihr auf, Noomi schickt sie aber in ihre Familien zurück. Sie sieht ihr Scheitern in der Fremde als ein Gottesurteil. Sie möchte die beiden, Orpa und Rut, nicht in ihre Probleme mit hineinziehen.

Aber es kommt anders. Rut sagt diese wunderschönen Worte, die wir heute gerne in Trauungen benutzen: Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

Rut wird mit Noomi gehen. Sie will sie nicht verlassen. Sie bindet sich an sie, die sich selbst gescheitert sieht. Es wird deutlich in der Geschichte: das ist mehr, als man von jemandem verlangen kann, dass sie mitgeht, aber Rut tut es. Sie handelt aktiv, sie entscheidet sich, sie hat Zutrauen zu dieser Frau, zu deren Gott, zu diesem Weg in das Unbekannte. Noomi bleibt ganz die duldende, gerechte Frau ihres Glaubens, Rut als Fremde bringt die Dynamik hinein, die alles verändert (zum Guten verändert.)

Und so kommen sie an in Bethlehem, zurück in Judäa, dieses ungleiche Paar. Und die Stadt  regt sich auf über diese beiden und spricht über sie. Und es ist überhaupt nicht klar, dass für die beiden Frauen ein Auskommen, ein Leben sein könnte in dem Ort.

„Ich möcht´, dass einer mit mir geht.“ - Es ist leichter, vor schwierigen, unbekannten Situationen nicht ganz allein zu stehen. Ja, manchmal macht man das eine oder andere mit sich selbst ab, und kann es auch. Aber es ist oft auch gut, wenn man Begleitung hat oder doch haben kann.

Im Lied und im Glauben ist es Jesus Christus, der mit uns mitgeht, der uns begleitet auch durch die wirklich tiefen Täler des eigenen  Lebens.

In dieser Geschichte geht Gott mit Noomi mit durch ihre wirklich tiefen Täler. Sie weiß und merkt es nur noch nicht. Sie ist bitter geworden über ihre wirklich schlimmen Schicksalsschläge und die üblen Aussichten einer verarmten Witwe im fremden Land. Sie ist vielleicht auch bitter über das schwere Schicksal ihrer Schwiegertöchter, die ihr Leben noch vor sich haben und die keine Kinder haben können, die sie später versorgen. Noomi hat nur eine vage Hoffnung auf Rückkehr in ihren Herkunftsort. Es ist ein Glück, dass sie zulassen kann, dass die Fremde, das Fremde, sich an sie bindet. Denn mit ihr, mit Rut, wird sie noch all die Achtung erfahren, und das Auskommen bekommen, das sie für ihr Alter und die Sinnhaftigkeit ihres Lebens braucht.

Das mag eine der „Lehren“ dieser Geschichte sein, dass es die Dynamik der Fremden und des Fremden braucht, dass es die Impulse von außen braucht; dass es tatsächlich nicht weitergeht, wenn man in den eingefahrenen Gleisen denkt, und seien sie noch so erprobt und angesehen, sondern man muss weiterdenken.

In diesen Pandemiezeiten, wo wir viel mehr vereinzelt sind als sonst, da ist es wahrscheinlich besonders kostbar, sich begleitet fühlen zu dürfen. Es bleibt jetzt oft eine Lücke, über die wir nicht gut kommen, wegen der Vorschriften, wegen der Rücksichten, wegen der Notsituation.

Es erscheint mir jedenfalls gerade schwieriger erfahrbar, sich begleitet zu fühlen: zu begleiten oder dies zu empfangen.

Wir wissen aber, wie es sich anfühlt, begleitet zu sein, durch Gott oder durch einen Menschen; und dass das immer auch ein wenig fremd ist, wenn Gott oder ein Mensch sich so einmischt; und das kann doch den vertrauensvollen Impuls geben, das Überraschende, dass es wieder Schwung für einen selbst gibt. Damit es weitergehen kann, damit es womöglich gut wird.

Wenn wir mehr wie Noomi sind, brauchen wir eine Rut, wenn wir mehr wie Rut sind, dann kommen schon wir ins Handeln, in die Eigenverantwortung, in unsere Zukunft, weil wir Zutrauen und Vertrauen haben.

Amen.

Stille

Gebet

Du Gott der Völker,
du bist das Licht und das Leben.
Du bringst die Hoffnung und der Frieden.
Höre uns.

Du Gott der Völker,
in allen Nationen leiden die Menschen,
suchen Schutz vor Ansteckung,
sehnen sich nach Heilung,
trauern um ihre Toten.
Du bist das Leben.
Du kannst heilen und trösten.
Höre uns.

Du Gott der Armen,
in der Kälte leiden die Schwachen,
frieren ohne Obdach,
suchen nach Essbarem,
verlieren die Hoffnung.
Du bist das Leben.
Du kannst retten und beschirmen.
Höre uns.

Du Gott des Friedens,
überall hoffen die Menschen deiner Gnade,
sie leben mit den Wunden der Vergangenheit,
reichen die Hände zur Versöhnung,
bauen Brücken.
Du bist das Leben.
Du bist der Friede.
Höre uns.

Verwandle uns.
Mache uns zu Menschen des Friedens
durch Jesus Christus.
Er ist das Licht in unserer Dunkelheit
und unsere Hoffnung –
heute und alle Tage.
Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

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Als Download: Hausgottesdienst Drittter Sonntag nach Epiphanias