17.01.21 Hausgottesdienst 02

Pastor Thomas Haase

2. Sonntag nach Epiphanias – ein Gottesdienst zu Hause und mit allen durch den Geist verbunden

Die Freude von Weihnachten geht weiter. Das Licht scheint in der Finsternis. Gottes Herrlichkeit leuchtet auf in der Welt, ein Wunder, das unser Leben verwandelt, Freude im Leid, Hoffnungslicht, Freudenschein.
„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ Johannes 1,16
Wir feiern an vielen Orten – in Gemeinschaft verbunden durch Gottes guten Geist.
Gott ist die Fülle unseres Lebens.
Jesus Christus leuchtet uns auf dem Weg.
Gottes Geist begleitet und stärkt uns.
Amen.

 

Einstimmung

 

Am Anfang, als alles noch dunkel war, sprach Gott:
Es werde Licht. Und es ward Licht. (eine Kerze kann angezündet werden)

Am Anfang, als alles noch lautlos war, war das Wort bei Gott.
Und Gott war das Wort. (eine Bibel kann geöffnet und auf den Tisch gelegt werden)

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam zu uns. Er wurde einer von uns. (ein Kreuz kann hingestellt werden)
 

Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat

Lesung:  Johannes 2, 1-11

 

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß.

Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Impuls

Die Hochzeit von Kana  – natürlich musste ich beim Lesen gleich an die vielen abgesagten Hochzeiten des vergangenen Jahres denken, vor allem die unendliche Enttäuschung der Brautleute, die Tränen der Bräute, das Gefühl, um den großen Traum betrogen zu sein.
 

Ich glaube dennoch, dass uns die Geschichte von der Hochzeit zu Kana etwas ganz Grundlegendes an unserem Glauben vor Augen stellt. Etwas so Grundlegendes, dass es gut ist, sich gerade zu Beginn eines neuen Jahres daran zu erinnern.
 

Wir dürfen ja hoffen, dass die Pandemie im Laufe dieses Jahres nach und nach ihren Schrecken verliert und wieder mehr Leichtigkeit in unser Leben einziehen kann.
Es tut gut, sich auf etwas zu freuen, das dann wieder möglich sein wird, und Pläne zu schmieden für die Zeit nach Corona. Es tut nicht nur gut, es ist sogar lebensnotwendig, damit wir die schweren Wochen und Monate, die noch vor uns liegen, mit Geduld und Zuversicht durchstehen und uns an hellen und hoffnungsvollen Bildern innerlich aufrichten können. Unser Bibeltext gibt uns dazu ein starkes Bild der Hoffnung.
 

Das erste Wunder, das Jesus tat, so sagt es das Johannesevangelium, das Weinwunder auf der Hochzeit von Kana, macht deutlich, dass unser Leben Grund zur Freude hat; unser Leben ein Fest ist.
 

Jesus zeigt sich in dieser Erzählung ganz unkompliziert. Und er rettet das Fest, über dem ein Schatten des Mangels liegt.
 

Dazu gibt es eine Anekdote um den Kirchenvater Hieronymus, der um das Jahr 400 lebte: Ein Spötter rechnete ihm vor, Jesus habe auf der Hochzeit zu Kana mehr als 300 Liter Wasser in allerbesten Wein verwandelt. Und das, obwohl die Hochzeitsgesellschaft bis dahin schon reichlich getrunken hatte.
Hinterhältig fragte er den Kirchenlehrer, ob die Hochzeitsleute diese Menge wohl noch ganz ausgetrunken hätten. Hieronymus blieb völlig gelassen und antwortete: „Nein, wir trinken bis heute davon!“
 

Recht hat er, finde ich. Denn auch wir, 600 Jahre später, leben von der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die mit Jesus in die Welt gekommen ist. Die weihnachtliche Ankündigung an die Hirten „Siehe, ich verkündige euch große Freude!“
Diese Ankündigung wird mit der Geschichte vom Hochzeitsfest in Kana sozusagen illustriert. Große Freude, das Gott uns so nahe kommt. Dass seine Liebe die Grenzen zwischen Himmel und Erde überspringt. Dass Gott zum Lebensnotwendigen auch noch genau den Überfluss dazu gibt, der das Leben wirklich zum Fest macht.
 

Wie können wir das erleben, liebe Gemeinde, und erfahrbar machen, dass es für uns und andere zur Kraftquelle wird - gerade auch unter den so sehr einschränkenden Bedingungen der Pandemie, vor dem Leid der Trauernden und dem Bangen um die Kranken?
 

Wir erleben das schon – und in diesen Monaten ganz bewusst. Zum Beispiel da, wo Menschen gern in unsere Kirche kommen, weil sie sich hier zuhause fühlen. Weil sie spüren, dass sie unabhängig von irgendwelchen Vorleistungen akzeptiert werden. Wir erleben das, wenn Menschen in unserem Kirchraum oder am Heiligabend an vielen Orten in Buxtehude das Herz aufgeht für eine Berührung mit Gottes Liebe. Wir erleben das in der Freude über einen Anruf oder einen lieben Brief. In der Erleichterung, in Zeiten der Trauer liebevoll und würdig begleitet zu werden.
Freuen wir uns darüber! Wuchern wir mit den Pfunden, die wir haben!
Denn eine Gemeinschaft, deren verbindendes Element das gemeinsame Jammern ist, hat wenig positive Ausstrahlungskraft. Zu einer Gemeinschaft aber, die sich untereinander verbunden weiß durch die Liebe Gottes, will man gern dazu gehören.
Hier treffen sich Menschen, die aufrecht und frei durchs Leben gehen, weil sie sich in allem, was geschieht, getragen wissen. Menschen, die offen sind für Neues, weil Gottes Vergebung uns aus den Ketten alter Gewohnheiten befreit. Weil Gottes Kraft unsere Fantasie in Gang setzt und uns einen anderen Blick eröffnet auf die Menschen und auf die Welt. Weil wir bei aller Sorge um die Folgen der Corona-Pandemie unzerstörbare Bilder in uns tragen von einer ganz anderen Welt, Bilder zum Beispiel von dem großen verheißenen Fest, bei dem wir alle Gäste sind und Jesus unser Gastgeber.
 

Liebe Gemeinde, das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, die Verwandlung von Wasser in Wein, um das Hochzeitsfest zu retten, gibt uns ein Stück Leichtigkeit auf den Weg durch dieses Jahr.
Der Mangel und der Verzicht, die Enttäuschungen und Verluste, die wir erlitten haben und womöglich noch erleiden werden, sie sprechen nicht das letzte Wort über uns.
 

„In dir ist Freude!“, heißt es in einem Epiphaniaslied. Dieses Licht scheint in unser Leben, begleitet unsere Schritte in das neue Jahr. Menschen, die von der Liebe Gottes verwandelt sind und, im Bilde gesprochen, bis heute trinken von dem Köstlichen, das Jesus für uns angerichtet hat.
Amen.

   EG 398  In dir ist Freude

1) In dir ist Freude in allem Leide,
o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben,
du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet,
wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G'müte,
an dir wir kleben im Tod und Leben;
nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2) Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden
Teufel, Welt, Sünd oder Tod;
du hast's in Händen, kannst alles wenden,
wie nur heißen mag die Not.
Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren
mit hellem Schalle, freuen uns alle
zu dieser Stunde. Halleluja.
Wir jubilieren und triumphieren,
lieben und loben dein Macht dort droben
mit Herz und Munde. Halleluja.

Stille

Gebet

Wo du erscheinst, Gott,
wird das Leben zu einem Fest.
Wasser wird zu Wein.
Sorge wird zur Zuversicht.
Was uns niederdrückt, bricht auf.

Erscheine, Gott,
allen, die sich fremd sind,
Gefangene in überzogenen Erwartungen an sich selbst
oder in quälenden Zweifeln,
Getriebene von den Ansprüchen anderer
oder von der Sorge, zu kurz zu kommen.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen, die Angst haben,
Angst vor dem Leben und Angst vor dem Sterben,
Angst vor der eigenen Freiheit und Angst vor der Wahrheit.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen Kranken und Sterbenden,
allen, die in Unfrieden auf ihr Ende sehen,
die sich nicht fallen lassen können in deine lebendige Gegenwart,
allen Verbitterten.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen, die Gewalt erleiden
die bevormundet werden und bedroht und verfolgt.
Erscheine allen,
die von Gewalt und Allmacht träumen,
die sich über andere stellen und meinen,
über Tod und Leben, über Wahrheit und Lüge befinden zu können.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen, die um Tote trauern,
allen Kindern,
die keine Geborgenheit kennen,
allen, denen die Lebensperspektiven schwinden
und die neue Wege vor ihnen noch nicht erkennen.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen, die über ihre eigenen Grenzen nicht hinausschauen können,
die nicht spüren, wie Du uns liebst und trägst,
uns in die Weite führst,
wie du uns birgst in einer Freude,
die höher ist als alles, was wir verstehen können.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Wo du erscheinst, Gott,
wird das Leben zu einem Fest.
Du gibst uns mehr, als wir wünschen und hoffen können,
Gnade um Gnade,
jeden Morgen, jede Nacht, jeden Tag.
Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

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